www.curbiciveterano.de

Bild: Curbici Veterano

Pressemeldung vom 12.07.2010

«Tin Lizzy» reist durch Raum und Zeit

Hält man Ausschau nach dem ältesten Automobil auf der \"13. Curbici Veterano Oldtimer Rallye\" im Zörbiger Schlosspark, so findet man zwischen den etwa 150 historischen vier- und zweirädrigen Fahrzeugen die \"Tin Lizzy\", umgangssprachlich auch als Blechliesel bezeichnet. Der schwarze \"Ford T\" stammt aus dem Jahre 1915 und ist seit einigen Jahren in Besitz des Dessauers Klaus Schröder. \"Das Auto wurde von Henry Ford in den USA gebaut und war das erste Großserienauto der Welt\", weiß er zu berichten, \"etwa 15 Millionen Stück wurden davon produziert. Das Motto von Ford war damals denkbar einfach: Was nicht dran ist, kann nicht kaputt gehen.\" Ein Auto, das eben gebaut worden sei, um von Jedermann gefahren zu werden. Und so nutzt auch Klaus Schröder - 95 Jahre später - seinen 20 PS starken Oldtimer, um zu reisen. \"Es ist ein Fahrauto und ein Freu-Dich-Auto\", sagt er, \"denn jeder der es sieht, freut sich.\" Für ihn zähle vor allem die Entschleunigung beim Reisen, aber auch der Spaß. Daher komme er jedes Jahr nach Zörbig. \"Ich schätze hier vor allem die familiäre Atmosphäre\", sagt Schröder.

Schnell kommt man auf dem Zörbiger Oldtimer-Treffen miteinander ins Gespräch, fragt nach Herkunft, Alter, Leistung der Autos und erfährt so auch viele Geschichten. Etwa die von Günther Pilz und seinem Oldtimer \"Adler 10 / 50\". Während Schröders \"Tin Lizzy\" etwa 15 Millionen Mal gebaut wurde, waren es bei Pilz\' \"Adler\" gerade einmal 150 Stück. \"Heute gibt es davon noch zwei\", sagt er, \"einer steht hier.\" Zu dem Auto ist der Kfz-Meister aus Heideloh eher zufällig gekommen. \"Ein Garagenfund\", sagt er. Auf Fotos hat er alles dokumentiert. Ein verrostetes, ausgeschlachtetes und abgenutztes Gefährt ist darauf zu sehen. Doch nach seiner regulären Arbeit und am Wochenende hat er sich dran gemacht und das historische Automobil aus dem Jahre 1925 wieder komplett aufgebaut und restauriert. Zweieinhalb Jahre lang, dann war der Glanz alter Tage wieder hergestellt. \"Ich habe jedes einzelne Teil überholt\", sagt er. Entsprechend pfleglich wird der Wagen auch behandelt und gefahren. \"Auf etwa 3 000 Kilometer komme ich im Jahr. Doch lenken und bremsen sind bei einem solch alten Auto Schwerstarbeit.\"

Dann muss Pilz auch schon weiter, denn er gehört zum 30 Mann starken Zörbiger Organisationsteam und ist für die technische Beurteilung zuständig. Dafür ist Thomas Schmidt zur Stelle. Er ist der Pressesprecher der Interessengemeinschaft \"Curbici Veterano\" und kümmert sich zusammen mit dem Zörbiger Kämmerer Frank Herbstleb um das Organisatorische, denn neben der Präsentation gibt es noch einen - wenn man so möchte - gemeinsamen Ausflug. \"Angefangen in Zörbig über Raguhn, Muldenstein, Friedersdorf, Mühlbeck und Pouch ging es nach Podelwitz. Auf dem Rückweg sind wir dann über den internationalen Airport Leipzig-Halle - wo einige Tests absolviert werden mussten - gefahren\", sagt Schmidt im Nachhinein, \"etwa 135 Kilometer Fahrtstrecke sind so zusammen gekommen und etwa 3 500 Besucher waren in Summe dabei. Also ein voller Erfolg.\" Dass sehen auch Andreas und Katrin Steinke so. Die beiden haben die Reise aus dem Kreis Ilm hierher angetreten - in einem Funkstreifenwagen der DDR, Baujahr 1977. Passend zu dem weiß-grünem Mobil tragen sie die entsprechende Uniform mit allem, was dazu gehört. Doch der Lada 1300 ist nicht das einzige Auto, das die Steinkes besitzen. \"Wir haben unter anderem noch ein US-amerikanischen Polizeiwagen mit den passenden Uniformen\", sagt Andreas Steinke, der auch im wahren Leben Polizist ist, \"meine Frau und ich haben eben einen Polizeifaible.\" Im Vergleich zum amerikanischen Ford sei der russische Lada etwas Besonderes, weil es ihn in der originalgetreuen Polizeiausstattung mit Sirene, Blaulicht und Funk nach Schätzungen vielleicht noch zehn Mal gebe. Selten ist auch das \"D-Rad\" des Leipzigers Thomas Fenske. Er hat das älteste Motorrad an diesem Tag. \"Es ist 1924 gebaut worden\", sagt er, \"von der Sportausstattung existieren noch fünf Stück weltweit.\" Aber das ist für ihn Nebensache. Das Treffen und die Rallye seien die Gründe, weshalb er hier sei. \"Denn es sind die vielen bekannten Gesichter, die die Zörbiger Oldtimer-Familie hat.\"

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, Zörbig/MZ, Detmar Oppenkowski, Ausgabe 12.07.2010

zurück zur
Presseübersicht